lennet.
about.
Das Projekt “lennet.” etabliert ein DIY-Label als Plattform für unentdeckte, lokale elektronische Musiker:innen. Kern des Vorhabens ist die jährliche Veröffentlichung einer Various-Artists-Compilation auf Schallplatte. Das Label arbeitet nicht gewinnorientiert, Plattenverkäufe und Eventeinnahmen finanzieren die Compilation. Eine Website sowie verschiedene Events dienen zur Vernetzung, Szenenbildung und Dokumentation. Der Fokus auf eine Schallplatte verschafft Legitimität, die einem rein digitalen Release oft fehlt. Da Künstler:innen den künstlerischen Wert ihres Schaffens oft unterschätzen, soll die Veröffentlichung auf eben diesem Medium geschehen. Der musikalische Fokus des Labels liegt auf nicht-funktionaler Clubmusik, die zwar von Club-Sounds inspiriert ist, jedoch hauptsächlich als künstlerischer Ausdruck gedacht ist. Zur Stärkung der Schallplatte als Plattform wird jedem Exemplar ein Magazin beigelegt, welches die Hintergründe der Stücke und das Gesamtkonzept erläutert.
Aachens Szene ist von Kuration (DJing) und Konsum elektronischer Musik dominiert; es fehlt an Produktions-Plattformen. Während DJs eine hohe Sichtbarkeit genießen, bleiben die Urheber:innen unsichtbar. Zudem mangelt es an Räumen für Austausch, Vernetzung und Kooperation. Musiker:innen befinden sich in einer Außenseiterrolle, da Einstiegspunkte fehlen, um zur Kulturlandschaft beizutragen und selbst sichtbarer Teil der Szene zu werden. Die fehlende Perspektive erzeugt hohen Abwanderungsdruck nach Köln oder Berlin. Überschaubare Szenen wie in Aachen bieten jedoch Sichtbarkeits-Potenziale, die ungenutzt bleiben. Zudem fehlt die Vermittlung künstlerischer Legitimität. Oft wird das eigene Schaffen als Spielerei ohne künstlerischen Wert abgetan. Symbolfigur ist Lennet Kann als Parallele zum "Bedroom-Producer": Ein fester Teil der lokalen Szene, dem die Legitimität abgesprochen wird. Das Projekt nutzt diese Identität, um Außenseiter aus der Nische ins Zentrum der Szene zu rücken.
lennet kann.
Er ist der König der Aachener Käuze und das bekannteste „Öcher Original“, d’r Lennet. Er hieß Leonard van Kann und lebte von 1845-1916. Seine Mutter, die ihren Lebensunterhalt durch Betteln und Gelegenheitsarbeiten bestritt, schleppte ihren Sprössling, der für sein Alter „sehr lang geraten war“, überall mit. Die geistesschwache Frau, die meist in Domnähe bettelte, verhätschelte ihren Lennet so gut sie konnte. Lennet Kann war noch ein Junge, als seine Mutter starb. Er wurde bis zum Burschenalter von Nonnen erzogen und versorgt. Später bewohnte er ein Zimmerchen im Parterre eines Hinterbaus und eines Tages wurden die Studenten auf Lennt aufmerksam. Mit Zigarren und „nobler Kleidung“, die von den Studierenden mitgebracht wurde, wenn ein männliches Familienmitglied verstorben war, gewann man Lennets Herz und er wurde zum Maskottchen der Studentenschaft. Im Laufe der Zeit stellte der Lennet mit seinem Kindergemüt Forderungen an seine Gönner. Er wollte von einer Abordnung abgeholt werden und dabei noch an deren Spitze marschieren. Auch bei Festzügen ging er nur mit, wenn er an der Spitze der Studenten marschieren durfte! Auf fast jeder Veranstaltung bekam Lennet Kann erst eine dicke Zigarre und wurde als „Freiherr van Kann“ oder „General van Kann“ vorgestellt; danach brach Applaus gepaart mit Hochrufen aus und oft erhielt das Original dann noch einen „Orden“. Abzeichen und Orden aus aller Herren Länder schmückten seine Brust. In Waldrestaurants fand der begeisterte Wanderer Leonard van Kann meist eine gute Seele, die ihn zu Kaffee und Kuchen einlud zur Freude der Anwesenden. Über Jahre bekam er sein tägliches Mittagessen im Burtscheider Rosenbad und später im „Aachener Bürgerbräu“ in der Jakobstraße. Seine Liebhabereien waren gutes Essen, das er fast immer kostenlos bekam, und gute Zigarren. Seine größte Aufgabe war der Zigarrenkauf, Waldwanderungen in Lodenkleidung (von Studenten geschenkt) und Festlichkeiten oder Aufmärsche, wo er an der Spitze marschieren durfte. Im Herbst 1916 verstarb das bekannte Öcher Original im Alter von 70 Jahren. (Quelle: Bruno Lerho, Aachener Originale, 1996)